Rückblick auf Luzern 2022: Essen ohne Food Waste

14. Dezember 2022. In der Schweiz landen 30% aller Lebensmittel im Abfall. Insbesondere Lebensmittelverluste im Haushalt belasten die Umwelt unnötig: Je später Food Waste anfällt, umso mehr Energie und Rohstoffe wurden bereits verbraucht und CO2-Emissionen verursacht. Wird Food Waste im Haushalt vermieden, würden jährlich pro Person 500 kg CO2-äq. eingespart [1].

Am Food Waste Parcours von Dialog im Quartierin der Genossenschaft Laboratorium konnten interessierte Luzerner:innen identifizieren, wo bei ihnen daheim Lebensmittelabfälle anfallen. Sie nahmen vielfältige Lösungen für weniger Lebensmittelabfälle im eigenen Haushalt mit nach Hause.

Dr. Jeannette Nuessli Guth, ETH Zürich, Department Health Sciences and Technology

Dr. Nuessli Guth zeigte uns, wie Sinneswahrnehmungen dabei helfen können, Lebensmittel nach dem Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) als sicher zu erkennen, ohne auf das kleingedruckte Datum schauen zu müssen. Denn nach Ablauf des MHD ist das Produkt meistens weiter geniessbar, es kommt höchstens zu qualitativen Einschränkungen.

Essen ohne Food Waste, Dr. Melanie Paschke, Zurich-Basel Plant Science Center, ETH Zürich (PDF)

Essen ohne Food Waste … und wie Sinneswahrnehmung dabei helfen kann, Dr. Jeannette Nuessli Guth, ETH Zürich, Department Health Sciences and Technology (PDF)

Ernährungsgewohnheiten machen viel aus – Individuelle Food waste Fallen, Laszlo Csoma, Vereinspräsident Restessbar Ebikon (PDF)

Was wir im Rückblick besonders spannend fanden:

  • Öle mit hohen Anteilen an ungesättigten Fettsäuren, z.B. Leinöl, gehören in dunkle Flaschen und in den Kühlschrank, damit die empflindlichen Fettsäuren nicht zu schnell abgebaut werden. Die Haltbarkeit wird so verlängert. Ist das Öl ranzig, hat es einen eigenen Geruch, der unverwechselbar ist. Im ranzigen Öl sind die Fettsäuren oxidiert und bilden freie Radikale, die im Körper Zellschäden verursachen. Deshalb das Öl entsorgen.
  • Eine Doggy-Bag-Lösung in der Gastronomie vermindert Lebensmittelabfälle. Abgepackte Lebensmittel können von Organisationen abgeholt und in öffentlichen Kühlschränken verteilt werden. Aber sollen wir auch ungesunde Lebensmittel retten?
  • Ein ungeöffneter Joghurt kann bis zu einem Jahr nach Ablauf des MHDs bei fehlerfreier Produktion und konstanter Lagertemperatur nach sensorischer Überprüfung problemlos noch gegessen werden.
Mehl, Baumnussöl, Mineralwasser ist mindestens haltbar bis…?
Food Waste Fallen mit dem Protokoll aufdecken.
Frisch gepresste Säfte von MeinRad.
Apfelringe, Federkohlchips, Baumnüsse und Apfelstrudel von Bio Luzern.

Das Dialog im Quartier Poster zum Drucken:

In der Küche schneiden wir schnell viel vom Lebensmittel ab. Schalen und Abschnitte sind reich an Mikronährstoffen und Ballaststoffen und lassen sich wunderbar weiterverarbeiten. Leaf to Root ist die vegetarische Schwester von Nose to Tail. Unser Lieblingsrezepte kann hier für zu Hause genutzt werden. In Zukunft werfen wir unsere Gemüseschalen nicht mehr weg, sondern nutzen die wichtige Ressource.

Elena Lustenberger, Wilde – Rose

Wie viele Lebensmittel landen bei dir im Haushaltsmüll? Mit dem Food Waste Protokoll notierst du welche Lebensmittel an welchem Tag weggeworfen werden. Ist es das Brot am Montagabend? Oder die Tomaten am Mittag? Das Protokoll hilft, eigenen Food Waste Fallen zu erkennen und Lösungen zu finden.

Vorlage herunterladen

Bei Jeannette Nuesssli Guth konnten verschiedene Lebensmittel mit abgelaufenem MDH über die Sinne (Geschmack, Geruch, Aussehen) beurteilt werden.
Zum Beispiel ist fettreif bei Schokolade (siehe Bild) weisslich. Zu schnelles Abkühlen bei der Herstellung, feuchte Lagerung oder schwankende Temperaturen können diese Umkristallisierung hervorrufen. Fälschlicherweise werden diese weissen Flecken oftmals mit Schimmel verwechselt. Kein Grund die Schokolade wegzuwerfen, den der tiefen aw-Wert verhindert das Wachstum von gesundheitsgefährdenden Mikroorganismen auf der Schokolade. Mehr zum aw-Wert in unserem Blogbeitrag.

Astrid von Bio Luzern brachte Gemüse vom Bio-Hof mit. Gemüse entspricht oft nicht der Norm und den schweizerischen Qualitätsbestimmungen für Gemüse. Die Karotten sind zu gross oder zwei geteilt, die Randen zu klein und die Kartoffeln haben zu tiefe Risse. Das Gemüse konnte bei Astrid geprüft werden. Gewicht und Grösse sind bei den Stichprobenkontrollen ausschlaggenbend. Vieles wird aussortiert und nicht vom Detailhandel akzeptiert. Lerne die Normen kennen und messe nach.

Vorlage zum herunterladen.

Marilen von Madame Frigo stellt mit ihrer Organisation Kühlschränke in Luzern, Basel, Bern und anderen Städten auf, um Lebensmittel weiter verteilen zu können. Geniessbare Lebensmittel aus deinem Haushalt, die du nicht mehr konsumierst, kannst du ins Kühlfach legen. Regelmässig werden Abholungen aus dem Detailhandel von Freiwilligen organisiertn und die Kühlschrankregale aufgefüllt. Für eine ideale Lagerung wurde bei Marilen der Kühlschrank den Temperaturen der Lebensmittel entsprechend eingeordnet und Lagertipps geteilt.

Mach mit beim Kühlschrankspiel und räum den Kühlschrank richtig ein.

Vorlage

Spannende Fragen durftet ihr am Glücksrad von ReCircle beantworten. Foodwaste, Funfacts zu Ernährung, Kreislaufwirtschaft, reCIRCLE-Knowhow und die Ökobilanz von Verpackung sind Schlagwörter, die nicht mehr aus eurem Gedächtnis ausradiert werden können!


[1] C. Beretta & S. Hellweg (2019): Lebensmittelverluste in der Schweiz: Mengen und Umweltbelastung. Wissenschaftlicher Schlussbericht, Oktober 2019. ETH Zürich: www.bafu.admin.ch/lebensmittelabfaelle

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