Herausforderungen für ein widerstandsfähiges Ernährungssystem in Zürich und der Schweiz?


Die Covid19-Pandemie ist für die globalen Ernährungssysteme eine Herausforderung. Der Lock Down hat die Schwächen langer Lieferketten gezeigt. Um widerstandsfähig zu werden, müssen nachhaltige lokale und regionale Ernährungssysteme erhalten und aufgebaut werden, die Produzenten und Verbraucher über kurze Transportwege verbinden (Urgenci, 2020).

Einige der Schwächen unserer heutigen Systeme in einer Krise: 

  • Schwierigkeiten, Produktion und Transport von Lebensmitteln über grosse Entfernungen aufrecht zu erhalten, ohne dass es zu erhöhtem Food Waste und einem Preisverfall bei den Produzenten kommt.
  • Die grosse soziale und wirtschaftliche Verwundbarkeit von LohnarbeiterInnen in der Landwirtschaft.
  • Die Schliessung z.B. der lokalen Märkte, die den direkten Kontakt zwischen Landwirten und Konsumenten unterbricht (Urgenci, 2020).

Solidarische Landwirtschaftsbetriebe, Landwirte mit Direktvermarktung und Lebensmittelkooperativen reagierten schnell, indem sie die Menge an lokal produzierten Lebensmitteln, die durch neue Strukturen an die Konsumenten und Konsumentinnen verteilt wurden, erhöhten: Die Direktlieferung von lokalen Lebensmitteln, insbesondere Gemüse und Obst im Abonnement verdoppelte sich beispielsweise in Großbritannien zwischen Anfang März und April. 65% dieser Abonnemente haben schutzbedürftige Gruppen aktiv priorisiert und 10% haben Systeme eingerichtet, um wirtschaftlich schwächeren Personen durch Solidaritätsprogramme zu helfen. Wer sich weniger leisten kann, zahlt weniger, während die anderen mehr zahlen (Wheeler, 2020).

Hauslieferdienste und Abonnemente, die Produkte lokaler Landwirte direkt an Bürger verkaufen, haben auch in der Schweiz zugenommen (=persönliche Mitteilungen an die Autorin). Handelt es sich dabei um Verhaltensänderungen der Konsumierenden, die auch in der nahen Zukunft erhalten bleiben?

Ein lokales, nachhaltiges und widerstandsfähiges Ernährungssystem muss einige Herausforderungen meistern:

  • Wie können Produzenten und lokale Gemeinschaften gemeinsam die Herausforderung des erhöhten Bedarfs lösen und wie können alternative Ernährungsinitiativen skalieren?
  • Der grosse persönliche Einsatz und das notwendige soziale Engagement sind einschränkende Faktoren bei solidarischen Landwirtschaftsbetrieben, Landwirten mit Direktvermarktung und in Lebensmittelkooperativen. Ziviles Engagement und Ehrenamt bringen Ressourcen in diese Systeme. Während dem Lock-Down nahmen die Solidarität und das zivile Engagement in der Schweiz zu. Wie kann das notwendige zivile Engagement über einen langen Zeitraum belohnt und erhalten werden?

Literatur:

Urgenci (2020). Community supported agriculture is a safe and resilient alternative to industrial agriculture in the time of Covid-19. Aubagne (France): International network Urgenci. http://urgenci.net/wp-content/uploads/2020/04/URGENCI_Covid19_PR_20200407.pdf (29.07.2020).

Wheeler, A. (2020). COVID-19 UK Veg Box Report. London: Food Foundation. https://foodfoundation.org.uk/wp-content/uploads/2020/05/Food-Foundation-COVID-19-Veg-Box-Scheme-report.pdf (29.07.2020).

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