Die wahren Kosten deines Essens

Was, wenn die Produktion eines Lebensmittels Boden zerstört, unmässig viel Wasser verbraucht, grosse Mengen an Treibhausgasen produziert, die Bio-diversität negativ beeinflusst oder schädlich für unsere Gesundheit ist? Dann spiegelt der Preis, den wir für dieses Lebensmittel bezahlen nicht die wahren Kosten wieder. Die negativen Auswirkungen, die dieses Lebensmittel bei der Produktion hat, bezahlen wir alle gemeinsam z.B. in Form von Steuern, Subvention oder mit Gesundheitskosten. Die Umweltschäden bezahlen wir oft nicht hier, sondern lagern diese in andere Länder oder an die nächste Generation aus.

Die nationalen Ausgaben für Lebensmittel liegen momentan bei 37.4 Milliarden CHF. Würden alle wahren Lebensmittelkosten in den Preisen reflektiert werden, würden sich die nationalen Ausgaben fast verdoppeln – auf 70 Milliarden CHF.  Das bedeutet, dass jeder 1 CHF, der für ein Lebensmittel ausgegeben wird in Wahrheit 1.87 CHF betragen müsste wie eine Studie der ETH Zürich zeigt [1].

Doch nicht bei jedem Lebensmittel sind die versteckten Kosten höher als heute. In Perotti (2020) wurden über 100 Faktoren in den Berechnungen der wahren Lebensmittelpreise miteinbezogen, darunter Umwelteinflüsse im Anbau und Vertrieb, aber auch Tierwohl und Gesundheitskosten, die für ernährungsbedingte Krankheiten anfallen (Diabetes, Herz-Kreislauf, Krebs) [1],[2].

Es wurden 8 typische Schweizer Lebensmittel untersucht. Lebensmittel, die als gesund gelten, wie Äpfel, Karotten und Milch würden günstiger werden, wohingegen Fleisch und Käse, aufgrund der hohen Biodiversitäts- und Gesundheitskosten, doppelt so teuer sein müssten. 

Die Details zu den wahren Kosten pro kg ausgewählter Lebensmittel nach Perotti 2020 finden sich hier.

Würden mehr Früchte und Gemüse gegessen werden, könnten Gesundheitskosten eingespart werden. Die Studie verdeutlicht, dass in der Schweiz, die wesentlichen Treiber für die wahren Lebensmittelkosten die Gesundheits- und Biodiversitätskosten sind. 

Weltweit fordern Institutionen und Forschende, dass die wahren Preise für Lebensmittel transparent sichtbar gemacht werden[3].

Müssten die wahren Kosten eines Lebensmittels im Schweizer Privathaushalt bezahlt werden, so würden die durchschnittlichen Ausgaben im Privathaushalt für Lebensmittel deutlich ansteigen von weniger wie 6.6% auf mehr wie 10% in der Schweiz[4]. Zum Vergleich in Rumänien sind es 28%, in den Niederlanden 11% der privaten Konsumausgaben für Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke nach Eurostat 2017. 

Tatsächlich wird momentan für einen Warenkorb nur mit Bio-Lebensmitteln in der Schweiz doppelt so viel bezahlt wie für denselben Warenkorb mit konventionell produzierten Lebensmitteln [5].

Statistiken zeigen nämlich auch, dass biologische Lebensmittel eher von einkommensstarken Gesellschaftsschichten in der Schweiz gekauft werden [6]. Als Haupthindernis für eine nachhaltigeErnährung werden in einer Befragung von Deloitte die höheren Preise im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln angegeben. Der akzeptierte Aufpreis für nachhaltig produzierte Nahrungsmittel beträgt in dieser Befragung 26% [7].

Wie können trotzdem nachhaltige Entscheidungen entlang der gesamten Lieferkette erleichtert und gefördert werden? 

Einige Empfehlungen mit breitem Konsens bei vielen Forschungsgruppen[1][3]:

  • Investitionen in eine gute agrarökologische landwirtschaftliche Praxis. Subventionen für Produkte mit hohen externen Kosten sollten auf Produkte mit niedrigen externen Kosten umgelenkt werden.
  • Wird nicht-nachhaltiges Essen besteuert, so können Konsummuster verändert werden.
  • Den Ernährungsplan der Planetary Health Diet annehmen. Dieser kann im Schweizer Haushaltbudget, welches für Essen reserviert ist, gut umgesetzt werden (siehe auch der Blogbeitrag hier).
  • Food Waste verschwendet die natürlichen Ressourcen, die für die Produktion notwendig waren, und erhöht deshalb die wahren Kosten unserer Lebensmittel. Durch Food Waste werden in der Schweiz pro Haushalt und Jahr 620 CHF (oder 28% des für Lebensmittel verwendeten Haushaltbudgets) verschwendet, die wir besser für den Kauf nachhaltiger Produkte verwenden könnten [8]

[1] Perotti, A. (2020). Moving Towards a Sustainable Swiss Food System: An Estimation of the True Cost of Food in Switzerland and Implications for Stakeholders. Masterarbeit an der ETH Zurich:  https://ethz.ch/content/dam/ethz/special-interest/dual/worldfoodsystemcenter-dam/documents/MScThesis-AlessaPerotti-TheTrueCostofFood.pdf

[2] WHO. 2018. Overweight and obesity. In: WHO Global Health Observatory data, overweight and obesity [online]. Geneva, Switzerland. http://www.who.int/gho/ncd/risk_factors/overweight 

[3] Rockefeller Foundation. (2021). True Cost of Food: Measuring What Matters to Transform the US Food System.

[4] Bundesamt für Statistik. (2022). Haushaltsbudgeterhebung 2015-2017. Bundesamt für Statistik (BFS).

[5] Nielsen; BLW, & 21.01.2022. (2022, January 21). Schweiz – Vergleich Warenkorb Bio vs. Nicht-Bio 2021. Statista. Retrieved December 1, 2022 from https://de.statista.com/statistik/daten/studie/555136/umfrage/ausgaben-fuer-den-bedarf-an-lebensmitteln-bio-vs-nicht-bio-in-der-schweiz/ 

[6] Götze, F., & Ferjani, A. Wer in der Schweiz Bio-Lebensmittel kauft. AGRAR FORSCHUNG SCHWEIZ, 338.

[7] Grampp, M., Laude, D., & Rohr, D. (2021). Nachhaltige Lebensmittel Was Schweizer Konsumenten von Unternehmen und vom Staat erwarten. Retrieved Decenber 1, 2022, from https://www2.deloitte.com/ch/de/pages/consumer-business/articles/sustainable-food.html. 

[8] foowaste.ch. (2022, May 30). Was ist food waste? foodwaste.ch. Retrieved December 1, 2022, from https://foodwaste.ch/was-ist-food-waste/ 

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