Zürich: Lokale Ernährung mitgestalten

Die Ideen, die während der Imaginationsreise am Häufigsten weiter entwickelt wurden: Quartierküchen als Orte, um zusammen zu kommen für das gemeinsame saisonale Kochen, Haltbarmachen und Lernen. Ein dichtes Netz von Quartierdepots, dass vielen Kleinproduzierenden und kleinbäuerlichen Direktvermarktern Raum gibt, ihre Produkte lokal zu vermarkten.

Screenshot vom Quartierdialog

Was die Teilnehmenden in den Quartieren und Haushalten nach der Veranstaltung umsetzen, interessiert uns sehr. Fortlaufend werden wir veröffentlichen, was mit uns geteilt wurde, besonders die auf die „Briefe am mich selbst“ folgenden Aktionen (ab dem 30. April 2021).

Nimm an der Challenge teil! Details

Aufzeichnungen der Vorträge

  • Fred Frohofer, NENA1Video
  • Rahel Fuchs, pura verduraVideo

Kommentare der Teilnehmenden:

Danke für die spannende Veranstaltung.

Vielen Dank für die spannende Veranstaltung – hat auf jeden Fall Lust gemacht, weiter über das Thema nachzudenken und mich mit anderen Leuten im Quartier zu vernetzen.

Zürich: Meine Ernährung, mein gesunder Planet

Der 2. Dialog im Quartier: «Meine Ernährung, meine Entscheidungen, mein gesunder Planet» hat sich mit der Planetary Health Diet und den CO2-Bilanzen unserer Lebensmittel beschäftigt.

  • Prof Christine Brombach, ZHAW Präsentation zur Planetary Health Diet mit den 10 Empfehlungen und Wochenplänen.
  • Dr. Franziska Stössel, Stadt Dietikon Präsentation zur Ökobilanz von Früchten und Gemüse im Grossverteiler.
  • Manuel Klarmann, Eaternity –  Unsere Zukunft mit nachhaltiger Ernährung schon heute: Eaternity-App | Code Check App mit Klima Score mit den Werten von Eaternity.

Wir sind gespannt, welche Handlungen die Teilnehmenden in der Challenge umsetzen werden. Ideen gab es viele: vom Ausprobieren eines neuen pflanzlichen Rezepts in jeder Woche bis zum Reduzieren der Anzahl Kaffee-Tassen auf 1-2 pro Tag.

Wir hatten einige Fragen gestellt und geben die Auflösung bekannt:

Wie nachhaltig sind Orangen aus Spanien oder aus Italien?

Auflösung

Was ist die Ökobilanz von Spargel im März?

Auflösung

Picture: EinguterTag.org

Wie nachhaltig sind Erdbeeren oder Himbeeren aus Spanien im Winter?

Auflösung

Picture: EinguterTag.org

Wie nachhaltig ist Tofu?

Auflösung

Picture: EinguterTag.org

Wie viel Tassen Kaffee pro Tag?

Auflösung

Picture: EinguterTag.org

Wie nachhaltig ist Rind von der Alpweide?

Auflösung

Zürich: Essen ohne Food Waste

Im Schnitt geht jedes dritte Lebensmittel in der Schweiz zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet (Infografiken von foodwaste.ch). 50% der Umweltbelastungen in der Schweiz entstehen durch die Ernährung. Ein Drittel können wir durch Vermeiden von Food Waste verringern.

Ganz besonders wichtig in der Veränderung sind wir Konsumentinnen und Konsumenten. 8 Millionen Menschen können viel verändern, wenn wir:

  • Saisonal und regional einkaufen.
  • Auch unförmigem Obst und Gemüse eine Chance geben.
  • Brot und Backwaren vom Vortag kaufen.
  • Auch weniger edle Fleischstücke kaufen.
  • Im Restaurant kleinere Portionen bestellen und Resten einpacken lassen.
  • Aktiv den Dialog zu den Produzentinnen und Produzenten suchen und uns für eine Veränderung stark machen. – Karin Spori, foodwaste.ch

Dr. Jeanine Ammann, Agroscope: Food Waste: Einstellungen , Wahrnehmungen und Verhaltensmuster – Präsentation

Ein Tagebuch führen, kann eine Strategie sein, um Verhaltensmuster aufzudecken. Nützliche Fragen:

  • Welche Lebensmittel werfe ich regelmässig weg?
  • Habe ich oft Gäste und koche zu viel?
  • Kaufe ich zu grosse Mengen ein?

Neue Anlässe mit Kühlschrankspiel

Am Quartieranlass vom 18. August beim GZ Schindlergut zusammen mit dem Ernährungsforum Zürich und dem UGZ standen Kühlschrank & Glücksrad im Zentrum des Interesses. Kinder & Eltern konnten den grossen Kühlschrank einräumen oder das Kühlschrankspiel lösen.  

Was sorgt jeweils für die grösste Überraschung bei den Teilnehmenden?

Das die Milch oder der Orangensaft nicht in die Seitentür gehören, sondern in die Mitte des Kühlschranks, wo die Temperaturen tiefer sind. 

Die nächsten Quartieranlässe finden im GZ Buchhegg am 17. September (Schnippeldisko) und im GZ Wollishofen am 22.September (Wissen macht Schule) statt. 

Kuhmilch durch pflanzliche Produkte ersetzen?

Die Schweizerische Lebensmittelpyramide empfiehlt drei Portionen Milchprodukte pro Tag als Proteinlieferant, also z.B. drei Mal 2 dl Vollmilch. Könnte diese Menge durch die gleiche Menge Pflanzenmilch ersetzt werden?

Liegt der Fokus auf einer Reduzierung des Beitrags zur Umweltbelastung, dann schneiden die meisten pflanzlichen Alternativen besser ab, da die verwendeten Getreide, Hülsenfrüchte oder Nüsse im Anbau klimafreundlicher sind und weniger Wasser und Energie benötigen als die Milchprodukte durch Kühe. Nur Cashewdrinks nicht: beim Anbau reichern sich Schwermetalle im Boden an, was den Anbau problematisch macht.

Vergleichen wir die Proteinaufnahme durch Kuhmilch und pflanzliche Alternativen: In 6 dl Milch sind 20 g Proteine enthalten, also rund ein Drittel bis die Hälfte des Tagesbedarfs eines Erwachsenen. Um die gleiche Menge Proteine aus pflanzlicher Milch zu erhalten, müsste ein Erwachsener bei den meisten pflanzlichen Alternativen die Trinkmenge erhöhen: 1.0 l Lupinen, 1.8 l Mandeln, 4.0 l Cashew, aber nur 0.5 l Soja.

Durch diese höheren Verbrauchsmengen steigt die Umweltbelastung wieder an und liegt bei allen pflanzlichen Drinks mit Ausnahme von Soja über der Belastung von Kuhmilch für die gleiche Proteinmenge.

Wichtig zu wissen: Nur Soja ist eine vollwertige Eiweissquellen d.h. Sojabohnen enthalten alle 9 essenziellen Aminosäuren, die wir aus der Nahrung aufnehmen sollten. Pflanzliche Milch enthält – ausser durch Zusatz – auch kein Calcium und kein Vitamin B2, B12.

Entscheidungskriterien: Als Proteinquelle ersetzen pflanzliche Alternativen die Kuhmilch nicht. Klimafreundlicher sind sie.

Wer Milchprodukte durch andere Proteinquellen ersetzen möchte, sollte Hülsenfrüchte, Getreiden und Nüssen kombinieren, um alle essentiellen Aminosäuren aufzunehmen, wie in dieser Infografik dargestellt.

Quellen:

Maresa Bussa, Martina Eberhart, Niels Jungbluth und Christoph Meili ( 2020). Ökobilanz von Kuhmilch und pflanzlichen Drinks. ESU-services GmbH im Auftrag von WWF Schweiz, Schaffhausen, Schweiz: zur Publikation

Wie nachhaltig ist Tofu?

Die bei der Herstellung von 1 kg Tofu anfallenden CO2 eq. (1.66 kg) sind nur ein kleiner Teil der CO2 eq. für 1 kg Rindfleisch (14.8 kg).

Nur 20% des Sojaanbaus wird in Lebensmitteln und Konsumgütern verwendet, z.B. in Speiseölen, Schokolade, Keksen, Speiseeis (1). Der überwiegende Anteil von Soja wird im Süden als Futter für die Massentierhaltung angebaut und zu uns exportiert (Zur Problematik des Sojaanbaus hier).

Als Nischenprodukt wird die Sojabohne inzwischen in Europa angebaut und hat hier eine gute Oekobilanz. Der Anteil Anbauflächen mit Sojabohnen steigt, trotzdem macht der europäische Anbau nur 7.5% des Imports aus (2).

Entscheidungskriterium: Tofu ist eine nachhaltige Alternative zu Fleisch. Auf die Herkunft der Sojabohne und die biologischen Anbaumethode achten und Prdoukte mit Herkunft aus Europa bevorzugen.

(1) https://www.geo.de/natur/nachhaltigkeit/16337-rtkl-ernaehrung-und-nachhaltigkeit-ist-tofu-schlecht-fuer-die-umwelt

(2) BUND – Freunde der Erde (2019). Soja-Report. Wie kann die Eiweißpflanzenproduktion der EU auf nachhaltige und agrarökologische Weise angekurbelt werden?

Wie viel Tassen Kaffee pro Tag?

187 591 Tonnen Kaffee wurden 2019 in die Schweiz eingeführt. Kaffee aus Kapseln hat einen Anteil von knapp 40% (1). Es werden knapp 1100 Tassen pro Person getrunken, also 3 Kaffee pro Tag. Das ist mehr als in den Europäischen Nachbarländern.

Die CO2-Bilanz von Kaffee ist hoch (50-100 g CO2 eq. pro Tasse bzw. pro 8 g Kaffeepulver und je nach Zubereitungsart), ebenso wie der Wasserverbrauch beim Anbau (132 l pro Kaffeetasse) (2). Zum Vergleich für 200 g Kartoffeln sind es nur knapp 30 g CO2 eq. (3). Die Oekobilanz für die Herstellung von Kaffeekapseln ist noch nicht mitgerechnet.

Wenn wir die Lebensmittelpyramide als Mass einer gesunden Ernährung heranziehen, so sollten wir Kaffee nicht bei den Getränken einordnen, sondern bei den Süssigkeiten und beim Alkohol. Also mit Masen geniessen. Kaffeepulver den Kaffeekapseln vorziehen.

(1) https://www.derbund.ch/wirtschaft/umbruch-im-milliardengeschaeft/story/16055610

(2) Klimabaustein Kaffee

(3) https://eingutertag.org/de/

Wie nachhaltig ist Rind von der Alpweide?

Bei Rindfleisch ist der ökologische Fussabruck hoch: Die CO2-equ. für 250g Rindfleisch liegen bei 2.65kg (1).

Die empfohlenen Mengen für den Verzehr von Rindfleisch im Durchschnitt werden global um 288% überschritten. Es wird rund 3 Mal so viel Rind verzehrt wird wie nach den Lebensmittelpyramiden empfohlen (2).

Die Empfehlung, die die Planetary Health Diet zum Thema Rindfleisch macht, liegt bei einem handtellergrossen Stück pro Woche (2). Der Eiweissbedarf eines Erwachsenen kann aus vielen anderen Eiweissquellen gedeckt werden u.a. Hülsenfrüchte und Nüsse.

Entscheidungskriterium: Ein handtellergrosses Stück Rindfleich aus nachhaltiger und artgerechter Haltung pro Woche. Den Eiweissbedarf auch mit Hülsenfrüchten und Nüssen decken. In Masen genossen, spricht nichts gegen nachhaltiges Rindfleisch von der Alpweide.

Interessant:

  • In der Code Check App eingegangen und können hier als Klima Score aufgerufen werden.
  • Spannende detaillierte Wochenpläne für eine Planetary Health Diet finden sich im Vortrag von Christine Brombach, ZHAW hier.

Referenzen:

(1) https://eingutertag.org

(2) EAT-Lancet Kommission

Wie nachhaltig sind Orangen aus Spanien oder Italien?

Orangen sind aus der Nachhaltigkeitsperspektive in grossen Mengen problematisch. Regionale, biologische Lageräpfel im Winter sind in der Ökobilanz den Orangen überlegen.

Orangen werden in die Schweiz in grossen Mengen importiert. Annähernd 90’000 Tonnen Zitrusfrüchte, der Grossteil Orangen, sind es im Winter (1). Orangenmonokulturen in Südspanien haben viele negative Konsequenzen: sie verbrauchen viel Wasser, zerstören den Boden durch Erosion, benötigen grosse Mengen an Pestiziden, die Biodiversität, Wasser und Bodenlebewesen schädigen (2).

Beim Grossverteiler tragen die Zitrusfrüchten rund 6% zu den im Bereich Gemüse und Obst jährlich anfallenden kg CO2-eq. bei (3).

Italienische Zitrusfrüchte (Orangen, Zitrone inkl. Säfte etc.) erzeugen die Hälfte der Klimaeffekte (=0.19 kg CO2-eq./ kg Produkt), die bei spanischer Herkunft entstehen (=0.375), unter anderem weil die Transportwege kürzer sind und der Wasserbedarf oft geringer (4).

Eine sehr interessante Studie im Bereich Life Cycle Assessment hat sich mit dem durch den Transport verursachten CO2 für verschiedene Früchte auseinandergesetzt: Transportwege von bis zu 1200 km im grossem rezyklier-fähigen Karton oder in der wiederverwendbaren Plastikpalette verursachen unter 3kg CO2-eq. / kg. Produkt (5) – das entspricht 3 Minuten unter einer heissen Dusche oder 15 Stunden Fernsehen. Die Fahrstrecke Zürich-Palermo liegt bei rund 1700 km (6).

Entscheidungskriterium:

Obst und Gemüse niemals per Flugzeug. Regionales Gemüse und Obst mit kurzem Transportweg bevorzugen und nur kaufen, was Saison hat.

Referenzen:

(1) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/475223/umfrage/pro-kopf-konsum-von-orangen-und-zitrusfruechten-in-der-schweiz/ (31-05-2021).

(2) Cerdà, A. (2013). The impact of Citrus production. An approach from the soil system. (31-05-2021).

(3) Stoessel, F., Juraske, R., Pfister, S., Hellweg, S (2012). Life Cycle Inventory and Carbon and Water FoodPrint of Fruits and Vegetables: Application to a Swiss Retailer. Environ. Sci. Technol. 2012, 46, 6, 3253–3262: https://doi.org/10.1021/es2030577

(4) Zihyenbek, A., Beretta, C., Stoessel, F., Hellweg, S. (2016). Oekobilanzierung Früchte und Gemüseproduktion. Eine Entscheidungsunterstützung für ökologisches Einkaufen.

(5) Levi, S., et al. (2011). A comparative life cycle assessment of disposable and reusable packaging for the distribution of Italian fruit and vegetable. Packag. Technol. Sci., 24: 387-400.

(6) https://www.stromauskunft.de/die-klimaschuetzer/co2-emissionen/ (31-05-2021).

Wie nachhaltig sind Erdbeeren oder Himbeeren aus Spanien im Winter?

Erdbeeren und Himbeeren aus Südspanien im Winter sind nicht nachhaltig. Wer Beeren im Winter geniessen möchte, greift auf Eingemachtes oder auf tiefgefrorene Beeren, die im Sommer in der Schweiz gereift sind, zurück. Frische Beeren im Winter sind ein Luxus wie im Märchen und sollten auch entsprechend selten und mit Genuss verzehrt werden.

Kalte und trübe Tage im Februar und März. Plötzlich sind sie da beim Grossverteiler: Die ersten rot leuchtenden Erdbeeren, rubinrot leuchtende Himbeeren und blau schimmernde Blaubeeren. Dann wenn wir Sehnsucht bekommen nach Farben, Sonne und Wärme.

Beim Grossverteiler tragen Erdbeeren zwar weniger als 3% zu den im Bereich Gemüse und Obst pro Jahr total anfallenden kg CO2-eq. bei (1). Sind sie also nachhaltig?

Der Anbau von Erdbeeren oder Himbeeren in Südspanien hat einen grossen ökologischen Fussabdruck, weil unter anderem sehr viel Wasser benötigt wird (300 l Wasser pro kg Erdbeeren) (2). Der Fussabdruck für Wasser für Himbeeren verdoppelt sich, verglichen mit dem saisonalen Anbau (3).

Es macht die Menge. Da Erdbeeren und Himbeeren in Südspanien heute auf immer grösseren Flächen, vor allem in der Region Huelva, angebaut werden und einen europäischen Massenmarkt bedienen, sind die Wasserprobleme unter anderem in den umliegenden Nationalpärken gross, noch verschärft durch Hitze- und Trockenperioden.

Entscheidungskriterium:

Obst und Gemüse niemals per Flugzeug. Regionales Gemüse und Obst mit kurzem Transportweg bevorzugen und nur kaufen, was Saison hat.

(1) Stoessel, F., Juraske, R., Pfister, S., Hellweg, S (2012). Life Cycle Inventory and Carbon and Water Food Print of Fruits and Vegetables: Application to a Swiss Retailer. Environ. Sci. Technol. 2012, 46, 6, 3253–3262: https://doi.org/10.1021/es2030577

(2) https://www.wwf.de/2021/maerz/der-osterhase-mag-keine-erdbeeren

(3) Chris Foster, Catarina Guében, Mark Holmes, Jeremy Wiltshire, Sarah Wynn (2014). The environmental effects of seasonal food purchase: a raspberry case study. Journal of Cleaner Production 73: 269 – 274.