TOOLBOX nachhaltige Ernährung

Dialog im Quartier konnte dieses Jahr dank der Unterstützung vom Umwelt- und Gesundheitsschutz Zürich durchgeführt werden. Wir möchten vom Feld bis zum Teller klimaneutrale Lösungen und Infrastruktur für den Konsumenten und die Konsumentin schaffen.

Wie gelangen die Hilfestellungen der Stadt direkt an die Bürger:innen? Mit gut strukturierten und unkomplizierten Informationen. Kürzlich hat der UGZ zusammen mit dem Ernährungsforum Zürich und dem Zurich-Basel Plant Science Center eine Toolbox zusammengestellt mit Themen, Methoden, Ideen, Hilfsmittel und weiterführenden Links zu Organisationen rund um das Thema nachhaltige Ernährung. In der Toolbox fokussiert der UGZ drei Schwerpunkte:

  • Vermeidung von Food Waste
  • Lokale Lebensmittelversorgung und alternative Einkaufsmöglichkeiten
  • Klimafreundliche und ausgewogene Ernährung

Die Toolbox bietet konkrete Tipps und Tools, wie nachhaltige Ernährung als interaktiver Bestandteil in eine Veranstaltung integriert werden kann.

Wer kann diese nutzen?

Jeder und Jede Person, kann in ihrem Umfeld eine Veränderung herbeirufen. Die Werkzeuge und Anleitungen in der Toolbox vereinfachen die Umsetzung. Möchtest du in deinem Haushalt deinen Food Waste reduzieren? Nutze das Food Waste Protokoll und finde heraus welche Lebensmittel bei dir häufig im Abfall landen. Oder stelle den «Food Waste Parkplatz» in deinen Kühlschrank auf. So geht das angebrochene Lebensmittel nicht vergessen.

Anleitungen gibt es nicht nur für den Privathaushalt sondern auch für Quartierveranstaltungen, Schulen, Märkte und Workshops mit direkten Kontaktangaben zu unterstützenden Organisationen.

Food Waste freies Openair Wollishofen

Am Wochenende vom 8-9 Juli 22 stand das GZ Wollishofen ganz im Licht von Musik, Bühnenlicht, freiwilligem Engagement und, natürlich, Essen. An den Food-Stände gab es reichlich (vegane) Hot-Dogs, Momos, Griechische Spezialitäten, Crepes und Grillspezialitäten. 

An unserem Pionierprojekt «Food Waste freies Openair», in enger Zusammenarbeit mit dem Openair Wollishofen, boten wir den Besuchenden ein breites Angebot an Hilfsmitteln an, um Food Waste unkompliziert und einfach zu vermeiden.

  • Brot von gestern wurde von der Äss-Bar am Grillstand angeboten.
  • Unterschiedliche Portionsgrössen am Foodstand ermöglichten die Wahl der richtigen Menge für den entsprechenden Hunger.
  • Zielorientierte Botschaften wurden prominent an Food- und Depotständen montiert:
    • „Reste essen nicht vergessen“
    • „Bestelle die richtige Portion“
  • Mit den reCircle Behälter konnte Übergebliebenes mit nach Hause genommen werden.
  • Was nicht mit nach Hause genommen werden konnte wurde in der Biotonne entsorgt. Gemessen wurde die Menge mit der Waage von Kitro.
  • Was am Sonntag noch nicht weg war, wurde von den Freiwilligen von foodsharing in ihrem Netzwerk verteilt.

Ein Food waste freies Festival zu gestalten ist nicht einfach – den eigentlich steht die Musik im Mittelpunkt. Präventiv kann durch unterschiedliche Portionsgrössen (und somit auch dem Preis) viel bewirkt werden. „Food Waste frei“ könnte sehr gut kombiniert werden mit „Waste frei“. Wie kann zukünftig ein Openair ohne Müll auskommen?

Mit Mehrweggeschirr Lösungen (auch für Teller), präsenter Kommunikation während dem Openair ans Publikum und guten Absprachen mit den Hauptverantwortlichen, um gemeinsam am selben Strang zu ziehen.  

Ökobilanzen im GZ Schindlergut

Am 6.Juli durften wir mit dem UGZ im GZ Schindlergut während dem Spielwärk Nachmittag den Familien mit Kindern Einblick geben in die Welt der Ökobilanzen und herausfinden wie Gemüse aussortiert wird bevor es im Supermarkt Regal landet. Centrale Végétale brachte ihr radikal lokales, aber auch krummes, Gemüse mit, das vom Detailhandel nicht entgegengenommen wird. Nachmessen konnten die Besuchenden, ab welchem Schwellenwert die Empfehlungen der Lebensmittelbranche nicht mehr galten.

Besonders spannend und anziehend für die Besucher:innen war zudem die Lebensmittelpyramide. Personen mussten bewerten welchen ökologischen Fussabdruck 1 Portion eines Lebensmittels hinterlässt, z.B. 2 dL Milch, 30g Käse, 2-3 EL Rapsöl. Viele Besuchenden nahmen an, dass für den Sojaanbau weite Flächen an Regenwäldern abgeholzt werden und stuften Tofu schwerwiegender für die Umwelt ein als Poulet, Käse oder Rindfleisch.

Tatsächlich wird die grösste Menge an Tofu die angebaut wird nicht für den menschlichen Verzehr weiterverarbeitet (z.B. zu Tofu, Edamame, Sojamilch) sondern zu 80% als Tierfutter exportiert. Aus 1’000 g (1 kg) Soja kann bis zu 1’500 g Tofu (unter Zugabe von Wasser) hergestellt werden. Im krassen Gegensatz zu Fleisch, aus dem lediglich 150 g gewonnen werden kann, liegt diese Menge knapp über der wöchentlichen Empfehlung der Planetary Health Diet (100g). Die Planetary Health Diet zeigt auf wie gesunde Ernährung für Mensch und Natur, bei einer Population von 10 Milliarden, ohne grossen Verzicht gelebt werden kann. Die Grafik vom UGZ veranschaulicht die weltweite Verteilung von Soja und erleichtert den Entscheid beim nächsten Einkauf.

Arbeitshefte für den Ernährungswandel

Diese richten sich an die Initiativen, die den Ernährungswandel begleiten.

Lass dich inspirieren von den Anleitungen, Materialien und Ideen, um eine nachhaltige Ernährung mit Quartierbewohner:innen umzusetzen!

Mit welchen Methoden lässt sich ein Wandel der Ernährungsgewohnheiten begleiten? Multiplikator:innen können das Arbeitsheft nutzen, um Methoden kennenzulernen und in ihre eigene Arbeit zu integrieren. Anleitungen und Vorlagen stehen zum Kopieren zur Verfügung. Wir teilen Erfahrungen beim Anwenden dieser Methoden und Beispiele, welche Handlungen ausgelöst wurden.

Zurich-Basel Plant Science Center (2022). Nachhaltige Ernährung für den Planeten: Ernährungsgewohnheiten in Quartieren begleiten und verändern. Arbeitsheft 2: Methoden und Interaktionen: https://doi.org/10.3929/ethz-b-000547601

Was sind die die Auswirkungen der Ernährung auf die planetaren Grenzen? Welche Möglichkeiten hat jeder Einzelne, um durch die Ernährung diese negativen Umweltauswirkungen zu halbieren? Die Zahlen, Kenngrössen, das notwendigen Hintergrundwissen und Argumente erleichtern die Kommunikation mit der Bevölkerung.

Zurich-Basel Plant Science Center (2022). Nachhaltige Ernährung für den Planeten: Ernährungsgewohnheiten in Quartieren begleiten und verändern.
Arbeitsheft 1: Wissen, Zahlen, Hintergründe: https://doi.org/10.3929/ethz-b-000547709.

Mehr Vorlagen und Materialien: https://deinquartiernachhaltig.org/werkzeuge-fur-den-ernahrungswandel/

Wir wurden nominiert!

Bei über 100 Bewerbungen für den K3-Preis für Klimakommunikation haben wir es mit «Dialog im Quartier – Deine Stadt isst Nachhaltig» unter die 22 nominierten Projekten geschafft!!

Der K3 Preis soll Menschen, Initiativen, Projekte und Redaktionen aus dem deutschsprachigen Raum auszeichnen, denen es in besonderer Weise gelungen ist, „gute Klimakommunikation“ zu leisten. Dabei geht es um Kommunikation zu Klima und Klimawandel, die einerseits wissenschaftlich fundiert ist, die andererseits aber auch neue Wege geht, um Menschen für Klimaschutz zu motivieren und zu aktivieren.

Mit unseren zahlreichen Methoden von der Traumreise, dem Ernährungsprotokoll, den Micro Habits bis hin zu der Postkarte an sich selbst, die am Ende von jeder Veranstaltung von jedem Teilnehmenden ausgefüllt wird, haben wir die Jury überzeugt. Dieses Jahr sind wir mit der Dialogreihe in unserer 3. Stadt unterwegs und freuen uns auf die Bewohner:innen der Stadt Luzern!

Schau dir unseren Videobeitrag hier an.

21. Juni 2022. Diskussion: Chirsi-Krise

Wachsende Herausforderungen für regionale Kirschenproduzent:innen, 19:00 – 20:30, Markthalle Basel

„Wer an die Baselbieter Landschaft denkt, der kommt um die Kirschbäume nicht herum. Früher waren Kirschen eine wichtige Einnahmequelle in der bäuerlichen Gesellschaft. Alte Fotos zeigen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten zahlreiche Dörfer, hinter unzähligen Kirschbäumen regelrecht verschwanden.“
So wirbt ein Toursimusverband für die Region.

Heute präsentiert sich die Umgebung leider oft anders. Den alten, einzeln stehenden Hochstammbäumen sind monotone Niederstammanlagen gewichen.

Sucht man auf dem Bauernmarkt frische und regionale Hochstammkirschen, geht man oft mit leeren Taschen nach Hause. Im Supermarkt dagegen erstrahlt das Angebot jedes Jahr erneut in satten Rottönen.

Die Markthalle veranstaltet seit Jahren im Juni den Chirsi-Tag. Die Planung gestaltet sich Jahr für Jahr herausfordernder, da immer weniger Kirschenproduzent:innen die Möglichkeit haben, ihre Früchte anzubieten.

Was ist der Grund für diesen Wandel? Was können wir Konsument:innen dagegen tun und was braucht es dafür?
In einer kuratierten Runde mit Interessenvertreter:innen aus Landwirtschaft und Verbänden wird diese Situation durchleuchtet und birgt bestenfalls den einen oder anderen Ansatz zur Verbesserung unser Baumvielfalt und Erhaltung des Baselbieter Landschaftsbilds.

Partner:innen:
Annekäthi Schaffter (Produzentin)
Franco Weibel (Ebenrain)
Roman Yurkov (Hochstamm Suisse)
Matthias Kleiber (Produzent)

Ein Rückblick auf Basel im Winter 2021: Meine Ernährung, mein gesunder Planet

Gsünder Basel

Sabine Hercher von Gsünder Basel hat spannende Menüvorschläge nach den Richtlinien der Planetary Health Diet vorgestellt, die 20 g pflanzenbasierter Eiweisse zur Verfügung stellen. Ab dieser Menge arbeitet die Protein-Biosynthese des Körpers besonders gut und erlaubt Eiweisse effizient aufzunehmen und umzubauen.

PDF der Präsentation

Universität Basel

Ronja Teschner und Jessica Ruppen, Universität Basel haben diskutiert wie Ernährungsrichtlinien als potenzielles Instrument zur Steuerung eines nachhaltigen Konsums genützt werden können.

PDF der Präsentation

Wir finden die folgenden Schlussfolgerungen ihrer Analyse wichtig:

  • Schweizer Ernährungsrichtlinien sind nicht auf Nachhaltigkeitsziele abgestimmt.
  • Ernährungsrichtlinien sind nicht mit den CO2-Zielen des Pariser Abkommens vereinbar.
  • Würden alle Schweizerinnen und Schweizer die Richtlinien befolgen, würde die Schweiz ihre Klimaziele nicht erreichen.
Dialog im Quartier
Weltacker Schweiz

Diese Tipps finden wir am Wertvollsten, damit dein Teller bunt, pflanzenbasiert, gesund und umweltverträglich ist.

Bunt ist gesund! Ein bunter Teller ist immer auch ein gemüsebetonter Teller. Die Hälfte eines Tellers sollte das Gemüse ausmachen.

Fleisch in Masen statt in Masse. Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, da ist eine 2/5-Ernährung am Einfachsten umzusetzen. An einem Tag Rind-/Lamm oder Schweinefleisch, am zweiten Tag Hühnerfleisch, an den anderen Tagen pflanzenbasierte Eiweisse.

Rindfleisch hat den höchsten Klima-Fussabdruck. Hier sollten 75% ersetzt werden: Pro Woche maximal 100g nach der Planetary Health Diet.

Eine Reduktion bei den hoch verarbeiteten Milchprodukten wie Käse und Quark anstreben. In der Schweiz sollte der Konsum um zwei Drittel sinken: Pro Tag sind das 25g Käse nach der Planetary Health Diet.

Essen selbst zubereiten und gemeinsam essen und kochen. Für viele ist die pflanzenbasierte Küche erst einmal eine Herausforderung. Das Kochen mit Hülsenfrüchten, das Verwenden von Tofu und Tempeh, die Kombination von saisonalen Gemüsen braucht Geschick und Zeit. Gemeinsam geht es einfacher.

Genussvoll und wertschätzend essen. Eine Veränderung unserer Ernährungsgewohnheiten kann nur gelingen, wenn sie Bedürfnisse aufnimmt und ein Leben in Einklang mit unseren persönlichen Werten ermöglicht. Wir möchten Essen als genussvoll und wertschätzend zu erleben.

Niemals per Flugzeug. Regionales Gemüse und Obst mit kurzem Transportweg bevorzugen und kaufen, was Saison hat. 

Produkte mit anerkanntem Label kaufen. Sie stellen sicher, dass definierte Umwelt und Sozialstandards erfüllt werden und machen die Entscheidung vor dem Regal einfacher.


Dialog im Quartier bei „Snack the System“

An 4 Tagen wurde im Rahmen der Ausstellung «Snack the System» im House of Switzerland über Zukunftsvisionen unserer Ernährungsysteme diskutiert. Das Manifesto das 2021 von jungen Menschen «Bites of Transfoodmation» aus aller Welt zusammen geschrieben wurde stand im Mittelpunkt der Diskussion. 

Innovative Projekt stellten sich vor und zeigten auf, dass die Visionen aus dem Manifesto bereits heute in die Tat umgesetzt werden. Darunter Valposchiavo  – ein zu 98 % biologisches Tal, Vivido – vertikales Gärtnern zu Hause und das Swiss Nutrition & Food Valley – welches die Industrie, Start-ups und Forschung gemeinsam an den Tisch bringt. Und natürlich Mattia „La rivoluzione delle Castagne“. Er bringt die Tradition der Kastanie zurück ins Tessin. 

Dialog im Quartier präsentierte am 2. Tag einen Workshop mit 30 Teilnehmenden. Sie reflektierten ihre persönlichen Ernährungsgewohnheiten und ihre individuelle Ernährungsbiografie. Mit den Micro Habits nahmen am Ende des Workshops alle Teilnehmende eine neue Gewohnheit mit nach Hause. Ich habe mir aus Italien anstelle von einem Espresso einen „Espresso d’orzo“ – ein koffeinfreies Getreidegetränk aus Gerste mitgebracht, um noch mehr Ersatzgetränke für den ressourcen-teuren Kaffee zur Auswahl zu haben. 


Ernährungsgewohnheiten: Anders, besser Essen

Am 12. März 2022 haben wir zusammen mit dem Ernährungsforum Zürich am Future Food Market  teilgenommen. Dialog im Quartier hat einen Workshop angeleitet mit Methoden wie Ernährungsgewohnheiten geändert werden können. 

Mit Ernährungsprotokoll und Wertelisten konnten die Teilnehmende sich darüber klar werden, wo Ernährungsgewohnheiten und individuelle Werte noch nicht im Einklang sind und deshalb Veränderungen notwendig sind. Zum Schluss konnte jede:r seine persönliche Micro-Habit für einen Wandel auf einer Postkarte festhalten. 

Was sind Micro Habits?

Pläne scheitern oft, weil wir zu viel auf einmal wollen. Wir sollten in kleinen Schritten denken, sogenannten Micro Habits, um neue Gewohnheiten besser zu verinnerlichen. Nach jedem Zwischenschritt hilft eine Belohnung die Micro Habits stärker zu verinnerlichen. Deshalb knüpfen wir eine neue Gewohnheit an eine Bestehende und feiern diesen kleinen Schritt mit einer Belohnung. 

Vielleicht inspirieren dich diese Beispiele von Micro Habits für deinen eigenen Alltag?

  • Ich ersetze 1 Grundnahrungsmittel (Pasta, Öl, Mehl, etc.) mit einem Bio-Produkt.
  • Ich lege Computer und Handy weg wenn ich Lebensmittel zu mir nehmen!
  • Ich kaue jeden Bissen 10 mal. Ich esse langsamer und achtsamer. 
  • Ich esse 2-mal pro Woche vegetarisch!
  • Ich besuche am Freitag den Wochenmarkt um die Ecke.
  • Ich achte beim Einkauf auf saisonale und regionale Herkunft der Lebensmittel!
  • Anstelle von Schokolade, esse ich ein selbsgemachten Hafer-Apfel-Guetzli.
  • Anstelle von meinem 3. Kaffee trinke ich eine Tasse Kräutertee.
  • Ich besuche einen Kochkurs über pflanzenbasierte Küche!